# Sichern und Zurückspielen Laufzettel ist ein Gedächtnis: was in einem archivierten Lauf steht, soll in zehn Jahren noch sagen können, wer wann was getan hat. Dazu kommt ein handfester Grund, der auf Papier klebt — **jeder gedruckte Aufkleber zeigt auf einen Tag-Code, der nur in der Datenbank existiert.** Ein Code wird nie geändert und nie neu vergeben; ist die Datenbank weg, sind alle Aufkleber im Haus wertlos, und es gibt keinen Weg, sie zurückzurechnen. Die Sicherung ist auf beiden Betriebswegen eine Sache von zwei Befehlen. Das Zurückspielen ist ebenfalls einfach, aber nur, wenn man es einmal geübt hat. ## Was gesichert werden muss Zwei Dinge, und nur diese zwei: | | Was | Wo | |---|---|---| | **1** | **Die Datenbank.** Alles Veränderliche steckt darin: Läufe, Vorlagen, Schrittergebnisse, Kommentare, Geräte, Personen, Tag-Codes, Protokoll. | `pg_dump`, siehe unten | | **2** | **Die Geheimnisse.** `APP_SECRET` und das Datenbank-Passwort. | Compose: die `.env` · Nativ: `/etc/laufzettel/laufzettel.env` | **Warum die Geheimnisse dazugehören:** `APP_SECRET` verschlüsselt nicht nur die Sitzungs-Cookies, sondern auch die gespeicherten LDAP-Bind-Passwörter. Spielst du eine Datenbank in eine Installation mit neuem `APP_SECRET` zurück, sind alle Sitzungen ungültig — das ist harmlos, man meldet sich neu an — **und jedes Bind-Passwort der Verzeichnisquellen ist unlesbar**. Der Verzeichnis-Abgleich schlägt dann fehl, und das Passwort muss von Hand neu eingetragen werden. Merkt man erst, wenn der nächste Abgleich fällig ist. Sicher die beiden Dinge getrennt und leg das Geheimnis dahin, wo auch die restlichen Zugangsdaten des Hauses liegen — in den Passwortmanager. Eine Datei mit `APP_SECRET` neben dem Datenbank-Abzug auf derselben Netzwerkfreigabe hebt den Zweck der Verschlüsselung auf. **Was nicht gesichert werden muss:** Die Anwendung hält keinen veränderlichen Zustand auf der Platte. Kein Upload-Verzeichnis, keine erzeugten Dateien. Der Quellcode kommt aus Git, `node_modules` und `.next` entstehen beim Bauen neu, das PDF der Anleitung liegt am Release. **Was der Abzug bewusst nicht enthält:** ein `{{generiertes_passwort}}`. Es wird bei jeder Anzeige neu erzeugt und nie gespeichert — nicht im Schrittergebnis, nicht im Kommentar, nicht im Protokoll. Wer ein so gesetztes Passwort braucht, findet es in der Sicherung nicht, und das ist Absicht. > **Der Abzug enthält personenbezogene Daten.** Namen, E-Mail-Adressen und Abteilungen der > Mitarbeiter, dazu argon2-Hashes der lokalen Passwörter. Er gehört verschlüsselt aufbewahrt und > nicht auf eine offene Freigabe. ## Docker Compose ### Sichern Der Datenbankport ist von außen geschlossen — das ändert nichts, die Sicherung läuft über den Dienstnamen: ```bash cd /opt/laufzettel docker compose exec -T postgres pg_dump -U laufzettel laufzettel | gzip > sicherung-$(date +%F).sql.gz ``` `-T` ist wichtig: ohne den Schalter hängt Docker ein Terminal dazwischen, und das verdirbt die Ausgabe. Im Ergebnis liegt eine Datei von einigen hundert Kilobyte bis wenigen Megabyte. Wer lieber das Eigenformat von PostgreSQL will — es lässt sich selektiv und parallel zurückspielen: ```bash docker compose exec -T postgres pg_dump -U laufzettel -Fc laufzettel > sicherung-$(date +%F).dump ``` Kurz prüfen, dass die Datei nicht leer ist: ```bash gunzip -c sicherung-$(date +%F).sql.gz | head -5 gunzip -c sicherung-$(date +%F).sql.gz | grep -c 'COPY public' ``` Das Volume heißt `laufzettel_datenbank`. Es mit `docker run --volumes-from` wegzukopieren ist **keine** gleichwertige Sicherung: ein Dateiabzug eines laufenden PostgreSQL ist im besten Fall brauchbar und im schlechteren still beschädigt. Nimm `pg_dump`. ### Zurückspielen Die Datenbank muss dafür leer sein — ein Abzug in eine gefüllte Datenbank gespielt bringt lauter Fehler über schon vorhandene Tabellen und hinterlässt einen Mischzustand. ```bash cd /opt/laufzettel # 1. Die Anwendung anhalten, damit niemand dazwischenschreibt docker compose stop web # 2. Datenbank leeren und neu anlegen docker compose exec -T postgres dropdb -U laufzettel laufzettel docker compose exec -T postgres createdb -U laufzettel -O laufzettel laufzettel # 3. Abzug einspielen gunzip -c sicherung-2026-09-24.sql.gz | docker compose exec -T postgres psql -U laufzettel laufzettel # 4. Migrationen nachziehen – nötig, wenn der Abzug von einer älteren Fassung stammt docker compose run --rm migrate pnpm exec prisma migrate deploy # 5. Wieder anfahren docker compose start web curl -s http://127.0.0.1:3000/api/gesundheit ``` Bei einem `-Fc`-Abzug tritt an die Stelle von Schritt 3: ```bash docker compose exec -T postgres pg_restore -U laufzettel -d laufzettel --no-owner < sicherung-2026-09-24.dump ``` **Den Seed brauchst du danach nicht.** Er würde nichts kaputt machen — er richtet ein und räumt nicht auf —, aber alles, was er anlegen würde, steht schon im Abzug. ## Nativ (LXC, VM, Blech) ### Sichern Über den Unix-Socket, als Systemnutzer `postgres`. Einen TCP-Port gibt es nicht. ```bash sudo -u postgres pg_dump -Fc laufzettel > /var/backups/laufzettel-$(date +%F).dump ``` Und das Geheimnis, einmalig und in den Passwortmanager: ```bash sudo cat /etc/laufzettel/laufzettel.env ``` `sudo -u postgres` und nicht `psql -h localhost`: die Rolle `laufzettel` hat ein Passwort, aber `postgres` kommt über die Peer-Authentifizierung am Socket ohne eines hinein — für ein Skript, das ohne Eingabe laufen soll, ist das der einfachere Weg. ### Zurückspielen ```bash # 1. Dienst anhalten sudo systemctl stop laufzettel # 2. Datenbank leeren und neu anlegen, Eigentümer bleibt die Rolle laufzettel sudo -u postgres dropdb laufzettel sudo -u postgres createdb -O laufzettel laufzettel # 3. Abzug einspielen sudo -u postgres pg_restore -d laufzettel --no-owner /var/backups/laufzettel-2026-09-24.dump # 4. Migrationen nachziehen, wenn der Abzug älter ist als der Code sudo bash /opt/laufzettel/deploy/install.sh # 5. Wieder anfahren und nachsehen sudo systemctl start laufzettel curl -s http://127.0.0.1:3000/api/gesundheit ``` Schritt 4 ist der Installationsaufruf, weil er die Migrationen mitbringt und den Dienst gleich neu startet — Schritt 5 ist dann nur noch die Gegenprobe. Willst du nur die Migrationen: ```bash cd /opt/laufzettel sudo -u laufzettel env $(sudo grep -v '^#' /etc/laufzettel/laufzettel.env | xargs) pnpm exec prisma migrate deploy ``` ## Automatisch sichern ### Nativ, als systemd-Timer `/etc/systemd/system/laufzettel-sicherung.service`: ```ini [Unit] Description=Laufzettel sichern After=postgresql.service [Service] Type=oneshot User=postgres # %i-freies Einzeiler-Skript: pg_dump in eine Datei mit Datum, dann alles # aelter als 30 Tage weg. ExecStart=/bin/bash -c 'pg_dump -Fc laufzettel > /var/backups/laufzettel-$(date +%%F).dump' ExecStartPost=/usr/bin/find /var/backups -name 'laufzettel-*.dump' -mtime +30 -delete ``` `/etc/systemd/system/laufzettel-sicherung.timer`: ```ini [Unit] Description=Laufzettel taeglich sichern [Timer] OnCalendar=daily # Nach einem Ausfall die verpasste Sicherung nachholen, statt sie zu ueberspringen. Persistent=true RandomizedDelaySec=15m [Install] WantedBy=timers.target ``` ```bash sudo install -d -o postgres -g postgres -m 0700 /var/backups sudo systemctl daemon-reload sudo systemctl enable --now laufzettel-sicherung.timer sudo systemctl list-timers laufzettel-sicherung.timer ``` Einmal von Hand auslösen und nachsehen, ob wirklich eine Datei entstanden ist: ```bash sudo systemctl start laufzettel-sicherung.service ls -l /var/backups/ ``` ### Compose, als Cron-Eintrag In der Crontab von root (`sudo crontab -e`): ```cron 15 3 * * * cd /opt/laufzettel && docker compose exec -T postgres pg_dump -U laufzettel laufzettel | gzip > /var/backups/laufzettel-$(date +\%F).sql.gz && find /var/backups -name 'laufzettel-*.sql.gz' -mtime +30 -delete ``` Das `%` muss in einer Crontab als `\%` geschrieben werden, sonst schneidet cron die Zeile ab — der häufigste Fehler an dieser Stelle, und er fällt erst auf, wenn die Datei fehlt. ### Und dann weg vom Rechner Eine Sicherung, die auf derselben Platte liegt wie die Datenbank, hilft gegen einen Tippfehler und gegen nichts sonst. Zieh die Dateien nachts auf ein anderes System — Bordmittel genügen: ```bash rsync -a --delete /var/backups/ sicherung@nas:/laufzettel/ ``` Verschlüsselt, wegen der personenbezogenen Daten. Und behalte mehr als eine: ein Schaden, der drei Tage unbemerkt bleibt, überschreibt sonst die letzte brauchbare Fassung. ## Einmal üben, sonst gilt es nicht Eine Sicherung, die nie zurückgespielt wurde, ist keine Sicherung, sondern eine Datei. Der Seed liefert eigens eine Vorlage **Restore-Test** mit — nimm sie und mach den Test einmal im Quartal zu einem Lauf mit Datum und Ergebnis. Dann steht er im Archiv, mit Namen und Zeitpunkt, und niemand muss sich erinnern, wann er zuletzt geprüft hat. Der Test selbst, ohne den Betrieb anzufassen — in eine zweite, leere Datenbank: ```bash # Compose docker compose exec -T postgres createdb -U laufzettel probe gunzip -c sicherung-2026-09-24.sql.gz | docker compose exec -T postgres psql -U laufzettel probe docker compose exec -T postgres psql -U laufzettel probe -c 'SELECT count(*) FROM "Lauf"' docker compose exec -T postgres dropdb -U laufzettel probe ``` ```bash # Nativ sudo -u postgres createdb probe sudo -u postgres pg_restore -d probe --no-owner /var/backups/laufzettel-2026-09-24.dump sudo -u postgres psql -d probe -c 'SELECT count(*) FROM "Lauf"' sudo -u postgres dropdb probe ``` Kommt bei `count(*)` eine plausible Zahl heraus, ist die Sicherung brauchbar. Kommt eine Fehlermeldung oder eine Null, hast du es jetzt erfahren und nicht im Ernstfall. ## Umzug auf einen neuen Server Derselbe Weg, nur mit einer Zwischenstation: 1. Auf dem alten System `pg_dump` ziehen und `APP_SECRET` sowie die restliche `.env` beziehungsweise `laufzettel.env` mitnehmen 2. Auf dem neuen System frisch einrichten — [Compose](inbetriebnahme.md) oder [nativ](proxmox.md) 3. **Vor** dem Zurückspielen `APP_SECRET` in der neuen Umgebungsdatei auf den alten Wert setzen, sonst sind die LDAP-Bind-Passwörter unlesbar 4. Abzug zurückspielen wie oben, Migrationen nachziehen 5. `APP_URL` prüfen: bleibt der DNS-Name gleich, bleiben die gedruckten Aufkleber gültig. Ändert er sich, lies den Anfang von [`reverse-proxy.md`](reverse-proxy.md), bevor du umstellst Die PostgreSQL-Hauptfassung sollte auf dem Zielsystem dieselbe oder eine neuere sein. Ein Abzug aus 17 lässt sich in 18 einspielen, umgekehrt nicht. ## Wenn es klemmt | Symptom | Ursache und was zu tun ist | |---|---| | `the input device is not a TTY` | Beim `docker compose exec` fehlt `-T`. | | Der Abzug ist wenige Bytes groß | `pg_dump` hat nicht die Datenbank erwischt, sondern eine Fehlermeldung geschrieben. Ohne Umleitung wiederholen und lesen, was es sagt. | | `ERROR: relation "Benutzer" already exists` | Du spielst in eine gefüllte Datenbank. Erst `dropdb`/`createdb`, siehe oben. | | `role "laufzettel" does not exist` beim Zurückspielen auf einem anderen System | Der Abzug nennt Eigentümer, die dort fehlen. `pg_restore --no-owner` beziehungsweise `pg_dump --no-owner` beim Erzeugen. | | Nach dem Zurückspielen schlägt der Verzeichnis-Abgleich fehl | `APP_SECRET` ist nicht mehr dasselbe, und das Bind-Passwort ist unlesbar. Entweder den alten Wert eintragen und neu starten, oder unter **Admin → Verzeichnis** das Bind-Passwort neu setzen. | | Nach dem Zurückspielen fehlen Tabellen oder Spalten | Der Abzug ist älter als der Code. `prisma migrate deploy` nachziehen, siehe Schritt 4 oben. | | Die Anwendung startet nach dem Zurückspielen nicht | `docker compose logs web` beziehungsweise `journalctl -u laufzettel -n 50 --no-pager`. Meist läuft noch die Migration, oder sie ist gescheitert. | | Ein Tag-Code taucht doppelt auf | Kann nach einem Zurückspielen nicht passieren; ein partieller Eindeutigkeitsindex in der Datenbank verhindert es. Siehst du es doch, ist der Abzug nicht sauber eingespielt — Datenbank leeren und noch einmal von vorn. |