/api/gesundheit steht in der Allowlist des Proxys, damit ein Healthcheck kein
Cookie braucht. Eine Meldung von Prisma oder pg nennt aber Host, Port,
Benutzernamen und Datenbanknamen -- fuer einen Pfad, der ohne Anmeldung
antwortet, ist das zu viel.
Nach aussen bleibt {"status":"fehler"} mit 503, damit Docker und der Reverse
Proxy weiter richtig entscheiden. Die Begruendung geht ins Protokoll des
Prozesses, nach demselben Muster wie in src/server/actions/verzeichnis.ts.
Fuenf Tests, darunter einer fuer die andere Haelfte der Zusage: dass die
Begruendung wirklich geschrieben und nicht verschluckt wird. Gegenprobe
gefahren -- mit der alten Fassung werden drei davon rot.
Closes #39
11 KiB
Reverse Proxy
Laufzettel spricht selbst kein HTTPS und bindet standardmäßig auf 127.0.0.1:3000. Davor gehört ein
Reverse Proxy, der das Zertifikat hält und die Anfragen weiterreicht. Das gilt auf beiden
Betriebswegen — im Compose-Stand wie nativ im LXC.
Zuerst: die Adresse, die auf dem Aufkleber landet
APP_URL ist die öffentliche Adresse der Anwendung. Sie wird nicht aus der eingehenden Anfrage
erraten, sondern gesetzt, und zwar aus einem Grund, der Papier betrifft:
Aus APP_URL entstehen die QR-Adressen auf den gedruckten Aufklebern. Im QR steht
{APP_URL}/t/{tagCode} — nichts weiter, kein Name, keine Seriennummer. Ein Aufkleber klebt Jahre
am Gerät und lässt sich nicht nachträglich korrigieren. Wäre die Adresse aus der Anfrage geraten,
stünde auf jedem Aufkleber, der über den Proxy hinweg gedruckt wurde, der interne Hostname:
http://laufzettel-app:3000/t/LZ-7K3F9Q. Den erreicht ein Telefon im WLAN nie.
Deshalb, bevor der erste Aufkleber gedruckt wird:
- Den DNS-Namen festlegen, unter dem die Anwendung dauerhaft erreichbar sein soll
APP_URLgenau darauf setzen — mithttps://, ohne Schrägstrich am Ende- Einen Aufkleber probedrucken, mit dem Telefon scannen und schauen, wo man landet
Ändert sich APP_URL später doch, ist nicht alles verloren, aber unangenehm:
- Der Scanner in der Anwendung nimmt den Code weiterhin an, egal von welchem Host die gescannte Adresse kommt. Das ist ausdrücklich so gebaut: ein Haus zieht um, ein zweiter Name zeigt auf dieselbe Anwendung — daran soll der Aufkleber im Regal nicht scheitern.
- Unter dem QR steht der Code im Klartext (
LZ-7K3F9Q) und lässt sich eintippen. - Was nicht mehr geht, ist der bequeme Weg: mit der Kamera-App des Telefons scannen und dem Link folgen. Der zeigt auf die alte Adresse.
Der einfachste Ausweg ist, den alten Namen im DNS und im Proxy als zweiten server_name
beziehungsweise zweiten Host weiterlaufen zu lassen und auf denselben Dienst zu leiten. Der
zweitbeste ist, neu zu drucken. Die Tag-Codes selbst bleiben dabei gültig — ein Code wird nie
geändert und nie neu vergeben.
Die zweite Stelle, an der APP_URL zählt, ist die OIDC-Rücksprungadresse: APP_URL plus
/api/auth/oidc/rueckruf, zeichengenau so beim Anbieter hinterlegt. Siehe
authentik.md.
Und die dritte: aus dem Schema von APP_URL entscheidet die Anwendung, ob das Sitzungs-Cookie das
Secure-Flag bekommt. Steht dort http://, obwohl außen HTTPS läuft, ist das Cookie unnötig
schwach. Steht dort https://, während außen nur HTTP läuft, wirft der Browser das Cookie weg und
man landet nach jedem Login wieder auf der Anmeldeseite.
Caddy
Der kürzere Weg. Caddy holt und erneuert das Zertifikat selbst, leitet HTTP auf HTTPS um und setzt
X-Forwarded-For, X-Forwarded-Proto und X-Forwarded-Host von sich aus richtig.
laufzettel.firma.de {
encode zstd gzip
reverse_proxy 127.0.0.1:3000 {
# Antwortet die Anwendung hier nicht, ist sie wirklich weg – und nicht nur
# gerade beim Neustart. Der Pfad braucht keine Anmeldung.
health_uri /api/gesundheit
health_interval 30s
}
}
Läuft Caddy auf einem anderen Rechner als die Anwendung, muss diese auf eine erreichbare Adresse
binden: BIND_ADDR im Compose-Stand beziehungsweise HOSTNAME in /etc/laufzettel/laufzettel.env
nativ. Dann gehört eine Firewall-Regel dazu, die den Port nur dem Proxy erlaubt.
Übernehmen:
sudo caddy validate --config /etc/caddy/Caddyfile
sudo systemctl reload caddy
nginx
Mehr Zeilen, und eine Falle. Die vollständige Datei:
# HTTP nur, um auf HTTPS zu leiten – und fuer die ACME-Abfrage von certbot.
server {
listen 80;
listen [::]:80;
server_name laufzettel.firma.de;
location /.well-known/acme-challenge/ {
root /var/www/html;
}
location / {
return 308 https://$host$request_uri;
}
}
server {
listen 443 ssl;
listen [::]:443 ssl;
http2 on;
server_name laufzettel.firma.de;
ssl_certificate /etc/letsencrypt/live/laufzettel.firma.de/fullchain.pem;
ssl_certificate_key /etc/letsencrypt/live/laufzettel.firma.de/privkey.pem;
# Der CSV-Import schickt die Datei als Text durch eine Server Action. nginx
# laesst von sich aus nur 1 MB durch und waere damit die erste Wand.
client_max_body_size 8m;
location / {
proxy_pass http://127.0.0.1:3000;
proxy_http_version 1.1;
# Diese Zeile ist die wichtigste der Datei, siehe unten.
proxy_set_header Host $host;
proxy_set_header X-Forwarded-Host $host;
proxy_set_header X-Forwarded-Proto $scheme;
proxy_set_header X-Forwarded-For $proxy_add_x_forwarded_for;
proxy_set_header X-Real-IP $remote_addr;
# Der Lauf fragt seinen Zustand alle zehn Sekunden nach; 90 s sind
# reichlich und fangen einen langsamen Verzeichnis-Abgleich mit ab.
proxy_read_timeout 90s;
# Next liefert Seiten stroemend aus. Ohne das haelt nginx die Antwort
# zusammen, und die Seite erscheint spuerbar spaeter auf einmal.
proxy_buffering off;
}
}
Übernehmen:
sudo nginx -t && sudo systemctl reload nginx
Das Zertifikat holt certbot:
sudo apt install certbot python3-certbot-nginx
sudo certbot --nginx -d laufzettel.firma.de
Die Falle: Host muss durchgereicht werden
nginx ersetzt die Kopfzeile Host von sich aus durch das Ziel von proxy_pass, also
127.0.0.1:3000. Caddy und Traefik tun das nicht, nginx schon.
Das bricht jedes Formular in Laufzettel. Der Grund: Next prüft bei jeder Server Action — und jedes
Speichern ist eine — den Origin der Anfrage gegen den Host, unter dem es sich selbst wähnt
(x-forwarded-host, sonst host). Der Browser schickt laufzettel.firma.de, der Server liest
127.0.0.1:3000, die beiden passen nicht zusammen, und die Aktion wird als möglicher
CSRF-Versuch abgewiesen. Das ist eine Schutzmaßnahme, die hier auf das falsche Ziel schießt.
Das Heimtückische daran: Seiten laden weiterhin völlig normal. Nur kein Haken, kein Speichern, keine Änderung kommt durch. Wer den Proxy nach einem Screenshot abnimmt, merkt es nicht.
proxy_set_header Host $host; und proxy_set_header X-Forwarded-Host $host; lösen das. Hinter
einem Proxy, der den öffentlichen Host in x-forwarded-host weitergibt, braucht es keine weitere
Einstellung in der Anwendung. Erst wenn ein Proxy das nicht kann, käme
experimental.serverActions.allowedOrigins in next.config.ts in Frage — der Weg über die
Kopfzeile ist der richtige, weil er den Schutz erhält, statt ihn aufzuweichen.
Welche Kopfzeilen der Proxy setzen soll
| Kopfzeile | Warum |
|---|---|
Host |
Muss der öffentliche Name sein, sonst scheitern alle Server Actions. Bei nginx ausdrücklich setzen. |
X-Forwarded-Host |
Dasselbe nochmal, und das ist die Kopfzeile, die Next zuerst liest. |
X-Forwarded-Proto |
https, damit die Anwendung weiß, dass die Verbindung außen gesichert ist. |
X-Forwarded-For |
Die Adresse des Benutzers, für die Fehlersuche im Protokoll des Proxys. |
Alles andere braucht die Anwendung nicht. Sie leitet ihre eigenen Adressen aus APP_URL ab, nicht
aus diesen Kopfzeilen — deshalb bleibt sie auch dann brauchbar, wenn ein Proxy sie vergisst; nur die
Server Actions eben nicht.
Welche Kopfzeilen der Proxy nicht setzen soll
Die Sicherheitskopfzeilen kommen aus der Anwendung. Sie schickt Strict-Transport-Security,
X-Content-Type-Options, X-Frame-Options, Referrer-Policy, Permissions-Policy und eine
Content-Security-Policy mit einer Nonce je Anfrage. Setz sie im Proxy nicht noch einmal:
- Eine zweite CSP ist nicht die mildere, sondern eine zusätzliche. Browser wenden alle mitgeschickten Richtlinien an, und es gilt jeweils die strengste Einschränkung. Eine gutgemeinte zweite CSP schaltet damit zuverlässig die Anwendung ab — und zwar wieder so, dass die Seite aussieht wie immer und nichts tut.
- HSTS doppelt ist harmlos, aber unsauber. Wenn du eine längere Laufzeit willst, ändere sie in
next.config.ts, nicht im Proxy.
Was noch dazugehört
Einbetten geht nicht. Die CSP der Anwendung enthält frame-ancestors 'none', dazu
X-Frame-Options: DENY. Laufzettel lässt sich nicht in ein Intranet-Portal oder ein Dashboard als
iframe einhängen. Verlink es stattdessen.
Kein Unterpfad. Laufzettel gehört auf einen eigenen Hostnamen, nicht unter
https://intranet.firma.de/laufzettel/. Ein basePath ist nicht gesetzt, die Anwendung liefert ihre
eigenen Dateien also unter /_next/… aus, und die kämen unter einem Unterpfad nicht an. Die
Adressberechnung für die Aufkleber trägt einen Pfad in APP_URL bewusst mit — das schützt gegen den
schlimmsten Fall, macht den Unterpfad aber nicht betriebsfähig.
Der Healthcheck ist /api/gesundheit. Er braucht keine Anmeldung, prüft die Datenbank mit und
antwortet {"status":"ok"} oder mit Status 503. Das ist der richtige Pfad für die Überwachung des
Proxys; / leitet ohne Cookie auf die Anmeldeseite um und sagt nichts über den Zustand.
Im Fehlerfall sagt er nur {"status":"fehler"} und nicht, warum — der Pfad ist ohne Anmeldung
erreichbar, und eine Datenbankmeldung nennt Host, Port, Benutzernamen und Datenbanknamen. Die
Begründung steht im Protokoll des Prozesses: docker compose logs web beziehungsweise
journalctl -u laufzettel -n 50.
Die Kamera braucht HTTPS. Der QR-Scanner in der Anwendung benutzt die Kamera des Geräts, und
Browser geben sie nur über eine gesicherte Verbindung frei (localhost ausgenommen). Ohne TLS
scannt am Handy niemand — das ist der praktische Grund, warum der Proxy nicht optional ist.
Etwas Geduld beim Neustart. Nach docker compose up -d oder systemctl restart laufzettel
braucht die Anwendung einige Sekunden. Ein Proxy mit aktivem Healthcheck fängt das ab; ohne
bekommen die ersten Anfragen ein 502.
Prüfen, dass es wirklich sitzt
Ein Screenshot beweist hier nichts — genau die Fehler, die hier passieren, lassen die Seite richtig aussehen. Nachprüfen heißt: einmal etwas ändern.
# 1. Die Anwendung antwortet dem Proxy
curl -s http://127.0.0.1:3000/api/gesundheit
# 2. Der Proxy reicht durch, mit gueltigem Zertifikat
curl -s https://laufzettel.firma.de/api/gesundheit
# 3. HTTP leitet auf HTTPS
curl -sI http://laufzettel.firma.de | head -1
# 4. Die Sicherheitskopfzeilen kommen genau einmal
curl -sI https://laufzettel.firma.de/anmelden | grep -ci "content-security-policy"
Und dann per Hand, im Browser:
- Anmelden
- Einen Lauf öffnen und einen Schritt abhaken
- Die Seite neu laden und nachsehen, ob der Haken noch da ist
Schritt 3 ist der eigentliche Test. Bleibt der Haken nicht, ist die Host-Kopfzeile falsch.