--- id: N6 titel: Zwischen Netzen – Routing und Firewallregeln block: netzwerk woche: 11 worum: Netze zu trennen ist leicht. Die Kunst ist, genau den Verkehr durchzulassen, der gebraucht wird, und zu wissen, welcher Weg genommen wird. rahmenplan: [B2, A6, A8] lernfeld: LF9 merksatz: Die genaueste Route gewinnt. Regeln von oben nach unten, die erste passende entscheidet, am Ende ist alles verboten. karten: - frage: Welche Route wählt ein Router, wenn mehrere Einträge auf ein Ziel passen? antwort: Die genaueste, also die mit dem längsten Präfix. Für 10.10.30.7 gewinnt 10.10.30.0/24 gegen 10.10.0.0/16, und beide gewinnen gegen die Standardroute 0.0.0.0/0. - frage: In welcher Reihenfolge werden Firewallregeln ausgewertet? antwort: Von oben nach unten. Die erste Regel, auf die ein Paket passt, entscheidet; alle weiteren werden nicht mehr geprüft. Passt keine, greift die Grundregel am Ende – üblicherweise blockieren. - frage: Was bedeutet, dass eine Firewall zustandsbehaftet arbeitet? antwort: Sie merkt sich erlaubte Verbindungen und lässt die zugehörigen Antworten von selbst durch. Man muss deshalb nur die Richtung erlauben, in der die Verbindung aufgebaut wird. --- ## Das Wesentliche - **Eine Routingtabelle** sagt für jedes Zielnetz, wohin ein Paket als Nächstes geht: Zielnetz, nächster Router (Next Hop) und Schnittstelle. - **Die genaueste Route gewinnt** (längstes Präfix). Passt nichts Genaueres, greift die **Standardroute** `0.0.0.0/0` – meist Richtung Internet. - **Routen entstehen** von selbst für direkt angeschlossene Netze, statisch von Hand oder dynamisch über Routingprotokolle. Im kleinen Betrieb reichen fast immer direkt angeschlossene Netze und eine Standardroute. - **Zwischen VLANs** routet der Router, die Firewall oder ein Layer-3-Switch. Steht dort eine Firewall, wird aus „getrennt" endlich „geregelt". - **Eine Firewallregel** besteht aus Quelle, Ziel, Dienst (Protokoll und Port) und Aktion. Gute Regeln sind so eng wie möglich: nicht „Verwaltung darf ins Servernetz", sondern „Verwaltung darf den Dateiserver über SMB". - **Von oben nach unten, erste Regel gewinnt.** Eine weite Erlaubnis oben macht jede Sperre darunter wirkungslos. Spezielle Regeln nach oben, allgemeine nach unten. - **Grundregel blockieren.** Was nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist verboten – nicht umgekehrt. - **Zustandsbehaftet:** Antworten auf erlaubte Verbindungen kommen von selbst durch. Eine zweite Regel für die Rückrichtung ist überflüssig und meist ein Zeichen dafür, dass jemand das Prinzip nicht kannte. - **Jede Regel braucht eine Beschreibung** mit Zweck und Ticketnummer. Eine Regel, deren Zweck niemand kennt, traut sich keiner zu löschen. ## Übersicht | Nr. | Quelle | Ziel | Dienst | Aktion | Zweck | |---|---|---|---|---|---| | 1 | Gäste | Firewall (Gateway Gäste) | DNS | erlauben | Namensauflösung | | 2 | Gäste | alle internen Netze | alle | blockieren | Gäste bleiben draußen | | 3 | Gäste | beliebig | HTTP, HTTPS | erlauben | Internetzugang | | 4 | Verwaltung | Dateiserver | SMB | erlauben | Ablagen | | 5 | Verwaltung | Druckernetz | Druckdienst | erlauben | Drucken | | 6 | beliebig | beliebig | alle | blockieren | Grundregel | Regel 1 steht vor der Sperre, weil das Gateway der Gäste – hier 10.10.90.1 – selbst in einem internen Adressbereich liegt. Andersherum würde Regel 2 auch die Namensauflösung sperren. ## Prüfungsfrage **Frage:** Ein Router hat folgende Einträge: `0.0.0.0/0 → 192.0.2.1`, `10.10.0.0/16 → 10.0.0.2`, `10.10.30.0/24 → 10.0.0.3`. Wohin leitet er Pakete an 10.10.30.7, 10.10.40.5 und 8.8.8.8? Begründen Sie. **Antwort:** 10.10.30.7 passt auf alle drei Einträge; gewählt wird der genaueste, `10.10.30.0/24`, also an 10.0.0.3. 10.10.40.5 passt auf `10.10.0.0/16` und die Standardroute; der genauere Eintrag gewinnt, also an 10.0.0.2. 8.8.8.8 passt nur auf die Standardroute und geht an 192.0.2.1. Maßgeblich ist jeweils die Präfixlänge, nicht die Reihenfolge der Einträge in der Tabelle.