--- id: A7 titel: Anforderungen aufnehmen – Lastenheft und Pflichtenheft block: arbeitsalltag woche: 12 worum: Die meisten Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern daran, dass Auftraggeber und IT unter derselben Anforderung etwas anderes verstanden haben. rahmenplan: [A2, A1, B1] lernfeld: LF2 merksatz: Das Lastenheft sagt, was und wofür – vom Kunden. Das Pflichtenheft sagt, wie und womit – von der IT. Beides wird unterschrieben. karten: - frage: Was ist der Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft? antwort: Das Lastenheft beschreibt der Auftraggeber – was er braucht und wofür. Das Pflichtenheft schreibt der Auftragnehmer – wie und womit er diese Anforderungen umsetzt. Das Pflichtenheft ist die Antwort auf das Lastenheft. - frage: Woran erkennt man eine gut formulierte Anforderung? antwort: Sie ist eindeutig, überprüfbar und begründet. „Das Notebook soll schnell sein" ist keine Anforderung; „Das Notebook startet die Warenwirtschaft in unter zehn Sekunden" schon. - frage: Was unterscheidet Muss-, Soll- und Kann-Anforderungen? antwort: Muss-Anforderungen sind unverzichtbar, ohne sie ist die Lösung unbrauchbar. Soll-Anforderungen sind wichtig, aber verhandelbar. Kann-Anforderungen sind wünschenswert, wenn Zeit und Budget es hergeben. --- ## Das Wesentliche - **Erst verstehen, dann anbieten.** Im ersten Gespräch geht es nicht um Geräte, sondern um die Arbeit: Was soll damit getan werden, von wem, wo, wie lange, mit welchen anderen Systemen? - **Offene Fragen stellen:** „Wie läuft ein typischer Arbeitstag ab?" statt „Brauchen Sie 16 GB?". Wer nach Technik fragt, bekommt die Technik genannt, die der Kunde kennt. - **Das Lastenheft** kommt vom Auftraggeber: Ausgangslage, Ziel, Anforderungen, Rahmenbedingungen (Budget, Termin, Vorgaben). In kleinen Aufträgen schreibt es oft die IT mit – dann lässt man es vom Kunden bestätigen. - **Das Pflichtenheft** kommt vom Auftragnehmer: wie die Anforderungen umgesetzt werden, mit welcher Hard- und Software, in welchen Schritten, mit welchem Ergebnis. - **Anforderungen müssen prüfbar sein.** Jede Anforderung sollte man am Ende mit Ja oder Nein abhaken können. Was sich nicht prüfen lässt, führt bei der Abnahme zum Streit. - **Muss, Soll, Kann** unterscheiden. Damit lässt sich verhandeln, wenn Budget oder Termin nicht reichen, ohne dass das Wesentliche wegfällt. - **Nicht-funktionale Anforderungen** nicht vergessen: Verfügbarkeit, Datenschutz, Lautstärke, Ergonomie, Barrierefreiheit, Supportzeiten. - **Schriftlich bestätigen lassen.** Eine mündliche Absprache ist nach drei Wochen eine Erinnerung – nach drei Monaten eine Meinung. ## Übersicht | Unklar | Prüfbar | |---|---| | Der Rechner soll schnell sein | Die CAD-Anwendung öffnet die Baugruppe X in unter 15 Sekunden | | Ausreichend Speicher | 512 GB SSD, davon mindestens 300 GB frei nach Einrichtung | | Leise | Unter 30 dB(A) im Leerlauf in 1 m Abstand | | Gute Akkulaufzeit | 8 Stunden Arbeit mit Office und Videokonferenz ohne Steckdose | | Sicher | Festplattenverschlüsselung, zweiter Faktor, Updates zentral verwaltet | ## Prüfungsfrage **Frage:** Die Vertriebsleitung wünscht „neue, moderne Notebooks für den Außendienst". Welche Fragen stellen Sie, bevor Sie ein Angebot einholen? Nennen Sie fünf und begründen Sie zwei davon. **Antwort:** Fünf aus: (1) Welche Anwendungen werden unterwegs genutzt, auch ohne Internetverbindung? (2) Wie lange wird ohne Steckdose gearbeitet? (3) Wie oft und wie werden die Geräte transportiert – Robustheit, Gewicht? (4) Werden Videokonferenzen geführt – Kamera, Mikrofon, Mobilfunkmodul? (5) Welche Anschlüsse und Peripherie werden beim Kunden oder im Büro gebraucht? (6) Wie hoch ist das Budget, und bis wann werden die Geräte gebraucht? (7) Welche Daten werden gespeichert – Verschlüsselung, Datenschutz? Begründungen etwa: Die Akkulaufzeit bestimmt die Geräteklasse und schließt viele Modelle von vornherein aus. Der Termin entscheidet, ob nur sofort lieferbare Geräte infrage kommen.