--- id: A8 titel: Angebote einholen und rechnen – vom Listenpreis zum Bezugspreis block: arbeitsalltag woche: 12 worum: Der niedrigste Listenpreis ist nicht das günstigste Angebot. Erst Rabatt, Skonto und Bezugskosten ergeben den Preis, den der Betrieb tatsächlich zahlt. rahmenplan: [A3, A2, A7] lernfeld: LF2 merksatz: Listenpreis minus Rabatt minus Skonto plus Bezugskosten. Netto vergleichen, Bedingungen gleich machen. karten: - frage: Wie lautet das Schema der Bezugskalkulation? antwort: Listeneinkaufspreis minus Liefererrabatt ergibt den Zieleinkaufspreis, minus Liefererskonto den Bareinkaufspreis, plus Bezugskosten den Bezugspreis. - frage: Ist ein Angebot verbindlich, eine Anfrage aber nicht? antwort: Ja. Eine Anfrage verpflichtet zu nichts. Ein Angebot bindet den Anbieter, es sei denn, er schränkt es ausdrücklich ein, etwa mit „freibleibend" oder „solange Vorrat reicht". Nimmt der Kunde es rechtzeitig an, ist der Vertrag geschlossen. - frage: Warum vergleicht man Angebote für den Betrieb netto, also ohne Umsatzsteuer? antwort: Weil ein vorsteuerabzugsberechtigter Betrieb die Umsatzsteuer vom Finanzamt zurückbekommt. Seine tatsächlichen Kosten sind die Nettopreise. --- ## Das Wesentliche - **Mindestens drei Angebote** einholen, mit **derselben Anfrage**: gleiche Menge, gleiche Anforderungen, gleicher Liefertermin. Sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen. - **Anfrage, Angebot, Bestellung:** Die Anfrage ist unverbindlich. Das Angebot bindet den Anbieter, außer es ist ausdrücklich eingeschränkt. Die rechtzeitige Bestellung auf ein Angebot ist die Annahme – damit ist der Kaufvertrag geschlossen. - **Die Bezugskalkulation** macht Angebote vergleichbar: Listeneinkaufspreis − **Rabatt** = Zieleinkaufspreis − **Skonto** = Bareinkaufspreis + **Bezugskosten** (Versand, Verpackung, Zoll) = **Bezugspreis**. - **Rabatt** ist ein Preisnachlass, etwa für Menge oder Stammkunden. **Skonto** ist ein Nachlass für schnelle Zahlung innerhalb einer Frist – er zählt nur, wenn die Buchhaltung die Frist auch einhält. - **Netto vergleichen.** Der Betrieb kann die Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen; seine Kosten sind die Nettobeträge. - **Der Preis ist nicht alles.** Lieferzeit, Garantie, Service vor Ort, Verfügbarkeit von Ersatzteilen gehören in eine Nutzwertanalyse (Handout H3). Die Bezugskalkulation liefert dafür das Kriterium Preis. - **Nachfragen ist erlaubt.** Wer zwei gute Angebote hat, kann beide Anbieter um ihr bestes Angebot bitten. Das ist üblich und kein schlechter Stil. ## Übersicht Fünf gleiche Arbeitsplatzrechner, Preise netto: | | Angebot A | Angebot B | Angebot C | |---|---|---|---| | Listeneinkaufspreis (5 × Stückpreis) | 4.495,00 € | 4.245,00 € | 4.395,00 € | | − Rabatt | 10 % = 449,50 € | – | 5 % = 219,75 € | | = Zieleinkaufspreis | 4.045,50 € | 4.245,00 € | 4.175,25 € | | − Skonto | 2 % = 80,91 € | 3 % = 127,35 € | – | | = Bareinkaufspreis | 3.964,59 € | 4.117,65 € | 4.175,25 € | | + Bezugskosten | 25,00 € | – | 40,00 € | | **= Bezugspreis** | **3.989,59 €** | **4.117,65 €** | **4.215,25 €** | Angebot B hat den niedrigsten Stückpreis, Angebot A den niedrigsten Bezugspreis. ## Prüfungsfrage **Frage:** Ein Händler bietet einen Switch zum Listenpreis von 1.200,00 € netto an, gewährt 15 % Rabatt und 2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von zehn Tagen; der Versand kostet 18,00 €. Berechnen Sie den Bezugspreis. **Antwort:** Listeneinkaufspreis 1.200,00 € − 15 % Rabatt (180,00 €) = Zieleinkaufspreis 1.020,00 € − 2 % Skonto (20,40 €) = Bareinkaufspreis 999,60 € + Bezugskosten 18,00 € = **Bezugspreis 1.017,60 €** netto. Der Skonto wird vom Zieleinkaufspreis berechnet, nicht vom Listenpreis, und nur dann abgezogen, wenn innerhalb der Frist gezahlt wird.