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betreuungs-cockpit/docs/ROADMAP.md
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Florian Wilde 0e7da42f27 docs: Bedienungsanleitung und Roadmap
Bis jetzt gab es Code und Betriebsdokumentation, aber nichts, was einem
beim Arbeiten hilft.

Die Anleitung ist kein Handbuch zum Durchlesen, sondern die zwoelf
Handgriffe, die im Alltag vorkommen - vom Behoerdenschreiben aufnehmen
bis zum Vertrag kuendigen. Dazu der Jahresrhythmus, die Berichte, was am
Handy anders ist, und ein Abschnitt "wenn etwas schiefgeht" mit den
Faellen, die wirklich passieren: Handy verloren, Code wird nicht
angenommen, Frist stimmt nicht, Bericht zeigt eine Differenz.

Ein eigener Abschnitt sagt, was die Anwendung NICHT tut. Wer sich auf
etwas verlaesst, das sie nicht leistet, faellt sonst genau dann darauf
herein, wenn es darauf ankommt.

Sie ist unter /anleitung auch in der Anwendung lesbar - dieselbe Datei,
kein zweiter Text, der auseinanderlaeuft. Wer im Heim steht und nicht
weiterweiss, hat sie auf dem Telefon dabei, und der Druckknopf legt sie
zu den Betreuungsunterlagen.

Dafuer ein schlichter Markdown-Baustein statt einer Bibliothek: die
Anwendung zeigt genau zwei solche Dokumente, beide schreibe ich selbst.
Rohes HTML wird nicht durchgereicht. Die Datenschutzseite benutzt ihn
jetzt ebenfalls, statt eine zweite Umsetzung zu pflegen.

Beide Dateien werden ueber outputFileTracingIncludes in den
Standalone-Build gezogen - der Pfad entsteht erst zur Laufzeit, die
Dateiverfolgung von Next.js kann ihn nicht erkennen. Ohne den Eintrag
waeren beide Seiten im Behaelter leer.

Die Roadmap sortiert die 44 Schema-Wuensche der Etappen nach einer
einzigen Frage zuerst: Kann daraus ein falscher Wert in einem Bericht
ans Gericht werden? Was das kann, steht in 1.1. Dazu ein Abschnitt
"bewusst nicht geplant" mit Begruendung - damit klar ist, worauf
niemand wartet.

Etappe: 8
Phase: Haertung
2026-08-22 10:51:28 +02:00

9.9 KiB

Roadmap

Was als Nächstes drankommt, und warum in dieser Reihenfolge.

Maßstab ist der Alltag, nicht die Vollständigkeit. Ein Punkt steht weit oben, wenn er entweder etwas Falsches richtigstellt oder jeden Monat Zeit spart. Er steht weit unten, wenn er nur schön wäre.

Diese Datei ist eine Absichtserklärung, kein Vertrag. Was sich im Betrieb als wichtiger herausstellt, rutscht nach oben.

Stand: 22.08.2026 · Aktuelle Fassung: 1.0.0 (CHANGELOG)


Woher die Punkte kommen

Beim Bauen sind 44 Schema-Wünsche aufgelaufen — Stellen, an denen das Datenmodell etwas nicht abbildet, was die Fachlogik gebraucht hätte. Sie liegen einzeln und begründet in schema-wuensche/, nach Modul getrennt. Diese Roadmap sortiert sie nach Dringlichkeit und bündelt sie zu Releases, die sich in einem Rutsch migrieren lassen.

Dazu kommen die bekannten Einschränkungen aus dem Changelog und das, was sich im Betrieb noch zeigen wird.


1.1 — Was heute noch falsch sein kann

Ziel: Kein Wert in der Anwendung soll unter ungünstigen Umständen falsch sein, ohne dass man es merkt. Das ist die einzige Art von Fehler, die man einem Betreuungsgericht nicht erklären kann.

Kostenkonto der Immobilie richtigstellen

Buchung hat kein immobilieId. Das Kostenkonto wertet deshalb über Buchungskategorien aus — bei einem Grundstück richtig, bei einem zweiten still falsch. Die Oberfläche sagt das derzeit an der Auswertung dazu; das ist ein Pflaster, keine Lösung.

Aufwand: klein. Migration: ein Feld, ein Index.

Umbuchungen kennen ihr Gegenkonto

Eine Umbuchung zwischen zwei Konten erscheint heute als zwei unverbundene Buchungen. In der Rechnungslegung sieht das aus wie eine Ausgabe und eine Einnahme — und wer nachrechnet, fragt zu Recht nach.

Aufwand: klein. Migration: ein selbstbezüglicher Fremdschlüssel.

Dublettenschutz beim Import ohne Konto

Der Schutz vor Doppelbuchungen greift über (kontoId, importReferenz). Ist kein Konto zugeordnet, greift er nicht — ein zweimal eingelesener Auszug erzeugt dann doppelte Buchungen.

Aufwand: klein. Migration: partieller eindeutiger Index.

Rückkaufswert am Vertrag

Der Wert hängt heute am Vermögensposten. In der Vertragsübersicht steht deshalb kein Betrag — ausgerechnet dort, wo man ihn beim Telefonat mit dem Versicherer braucht.

Aufwand: klein.

Genau eine Zielspalte je Dokumentverknüpfung

DokumentVerknuepfung hat zwölf mögliche Zielspalten; dass genau eine gesetzt ist, erzwingt bisher nur die Anwendung. Ein CHECK-Constraint macht daraus eine Zusage, die auch bei direktem Datenbankzugriff hält.

Aufwand: klein. Migration: ein Constraint.

Papierkorb für Saldo- und Wertstände

Beide Modelle haben kein geloeschtAm. Ein versehentlich eingetragener Kontostand lässt sich nur endgültig löschen — was der Zusage widerspricht, dass Löschen 30 Tage rückgängig zu machen ist.

Aufwand: klein.

Aufgaben aus Vorlagen entfernen können

Passt eine Aufgabe aus einer Vorgangs-Vorlage im Einzelfall nicht, bleibt sie dauerhaft offen stehen und verfälscht jede Fortschrittsanzeige.

Aufwand: klein.


1.2 — Weniger tippen

Ziel: Die Handgriffe, die sich jeden Monat wiederholen, kürzer machen.

Nachforderungen mit stabilem Schlüssel

Der Dublettenschutz beim Übernehmen der Standardcheckliste läuft über die Bezeichnung. Wer eine Zeile umbenennt, bekommt sie beim nächsten Mal doppelt.

Bescheid und Frist verbinden

Aus einem Bescheid entsteht die Widerspruchsfrist heute über einen Textschlüssel statt über einen Fremdschlüssel. Ändert sich das Zugangsdatum, wandert die Frist nicht mit.

Statuswechsel eines Vorgangs als eigene Tabelle

Der Zeitstrahl liest Statuswechsel aus dem entschlüsselten Audit-Log. Das funktioniert, ist aber langsam und hängt an einem Format, das eigentlich nur Nachweis sein soll.

Wer hat was erfasst

Fristen, Saldo- und Wertstände tragen kein Feld für den erfassenden Benutzer. Bei einer Betreuung zu zweit ist das die erste Frage.

Ansprechpartner am Vorgang

Die Sachstandsanfrage kann namentlich anreden, bekommt den Ansprechpartner mangels Feld aber nicht übergeben.

Inventarliste als eigenes Modell

Wertgegenstände hängen heute an Freitext und Fotos. Für die Wohnungsauflösung wäre eine Liste mit Bezeichnung, Raum, geschätztem Wert und Verbleib das richtige Werkzeug.

Pflegegrad-Historie

Der Pflegegrad steht als einzelnes Feld in den Stammdaten. Frühere Grade mit ihren Zeiträumen gehören in eine Historie — sie werden im Jahresbericht und bei einer Höherstufung gebraucht.


1.3 — Belastbarkeit

Ziel: Die Stellen absichern, die bisher nur unter Laborbedingungen geprüft sind.

Texterkennung gegen echtes Tesseract

Bisher ist nur der Weg „nicht verfügbar, Upload funktioniert trotzdem" getestet. Ein Test im Container gegen echte Schreiben — auch schlechte Handyfotos, auch mehrseitige Bescheide — fehlt.

CAMT.053 gegen einen echten Bankauszug

Der Leser ist gegen selbst gebaute Beispiele geprüft. Ein echter Auszug der Sparkasse ist der eigentliche Test.

Suche und Belegmappe gegen Postgres

Beide sind nur in Einzelteilen geprüft, nicht end-to-end gegen die Datenbank mit einigen hundert Dokumenten.

Wiederherstellung als Test

Die Anleitung dafür steht in der README. Ein Skript, das sie einmal im Monat automatisch durchspielt — Sicherung zurückspielen, Diagnosen im Klartext prüfen, Testdatenbank verwerfen — wäre der Beweis statt der Absichtserklärung.

Barrierefreiheits-Durchgang mit einem Screenreader

Semantik, Fokusreihenfolge und Kontraste sind beim Bauen beachtet und in Teilen getestet. Ein Durchgang mit NVDA oder VoiceOver ist etwas anderes als eine Testzusicherung.

@react-pdf/renderer ohne Krücke

src/lib/pdf/standardschrift.ts gleicht aus, dass die Unterabhängigkeiten für Standardschriften kein Schriftobjekt mehr liefern. Ein overrides- Eintrag in der package.json oder eine neuere Fassung macht die Datei überflüssig — sie baut sich dann selbst ab.


2.0 — Mehr als eine Betreuung

Ziel: Was sich nur mit einem Bruch lösen lässt. Deshalb eine eigene Hauptversion — und deshalb nicht vorher.

Zweite betreute Person im Alltag erprobt

Das Datenmodell trägt es von Anfang an: Alles hängt an einer betreuteId, der Zugriff wird gegen sie geprüft, die Auswahl steht in der Seitenleiste. Gelaufen ist es bisher nur mit einer. Was fehlt, ist Erfahrung — und vermutlich ein Dashboard, das über beide hinwegsieht.

Heimkostenmodell entwirren

Der einrichtungseinheitliche Eigenanteil auf der Heimrechnung ist bereits um die Leistung der Pflegekasse gekürzt. Das Modul rechnet deshalb ausdrücklich nach der Lesart EIGENANTEIL_NETTO und warnt, wenn die Pflegekassenleistung zusätzlich erfasst wird.

Sauberer wäre, die beiden Lesarten im Modell zu trennen, statt sie im Kopf auseinanderzuhalten. Das ändert bestehende Datensätze — also 2.0.

Mehrere Fassungen je Bericht

Heute verdrängt die DOCX-Ausgabe die abgegebene PDF-Fassung. Was einmal beim Gericht lag, sollte unverändert nachweisbar bleiben.

Verschlüsselte Ablage auch bei S3

Beim Dateitreiber liegen Dokumente zusätzlich AES-256-GCM-verschlüsselt. Bei S3 geht das nicht, weil signierte URLs am Server vorbei ausgeliefert werden. Der Ausweg wäre, Dateien durch die Anwendung zu reichen — das kostet Durchsatz und ist eine bewusste Abwägung, keine Selbstverständlichkeit.


Später, ohne Datum

Sinnvoll, aber nicht dringend:

  • Kalendarische Wiedervorlage per E-Mail als Wochenübersicht statt einzelner Erinnerungen.
  • Vorlagen für eigene Anschreiben, über die mitgelieferten hinaus.
  • Import eines Grundbuchauszugs als strukturierte Daten statt als PDF.
  • Mehrere Betreuungsgerichte je betreuter Person (bei Umzug).
  • Zwei-Personen-Prinzip für besonders sensible Aktionen — technisch vorbereitet durch die erneute Anmeldung, fachlich noch nicht gebraucht.
  • Statistik über mehrere Betreuungsjahre für den eigenen Überblick.

Bewusst nicht geplant

Damit klar ist, worauf niemand warten muss:

Was Warum nicht
Automatische Rechtsberatung Die Anwendung kennt den Einzelfall nicht. Sie rechnet und dokumentiert; entscheiden tun Gericht, Träger und im Zweifel das Sozialgericht.
Prognosen zu Bewilligungschancen Eine Zahl, die niemand belegen kann, wird trotzdem geglaubt. Das ist schlimmer als keine Zahl.
Direkte Bankanbindung Ein dauerhafter Kontozugriff ist ein Risiko, das der Bequemlichkeit nicht wert ist. CSV und CAMT reichen.
Mehrmandantenfähigkeit für fremde Betreuungen Sobald mehrere Betreuer mit fremden Fällen auf derselben Installation arbeiten, ändert sich die datenschutzrechtliche Lage grundlegend. Mehrere Betreute einer Person bleiben möglich.
Native App für Handy und Tablet Die Web-Anwendung ist am Telefon vollwertig bedienbar. Eine zweite Oberfläche wäre eine zweite Oberfläche, die veraltet.
Cloud-Angebot für andere Betreuer Dann wäre ich Auftragsverarbeiter für fremde Gesundheitsdaten. Eine andere Aufgabe als die, für die das hier gebaut wurde.
KI-Auswertung der Akte Gesundheitsdaten einer nicht entscheidungsfähigen Person verlassen diesen Server nicht. Die Texterkennung läuft lokal, und dabei bleibt es.

Wie hier priorisiert wird

Drei Fragen, in dieser Reihenfolge:

  1. Kann daraus ein falscher Wert in einem Bericht ans Gericht werden? Dann sofort — auch wenn es unbequem ist.
  2. Kostet es jeden Monat Zeit? Dann bald.
  3. Wäre es schön? Dann irgendwann, und ehrlich gesagt vielleicht nie.

Fällt ein Punkt in Kategorie 1 und wird trotzdem nicht sofort behoben, steht der Grund dabei — und die Oberfläche sagt an der betroffenen Stelle, worauf man achten muss. Ein stillschweigend falscher Wert ist das Schlimmste, was diese Anwendung produzieren kann.