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betreuungs-cockpit/docs/INSTALLATION.md
T
Florian Wilde 9365645f72 fix: Bindeadresse war in der Vorlage stillschweigend vorbelegt
.env.example setzte APP_BIND=127.0.0.1 als fertigen Wert, mitten zwischen
lauter anderen fertigen Werten. Wer die Datei kopiert und seinen Reverse
Proxy auf einem anderen Server betreibt, kommt damit nicht an die
Anwendung heran - und der Fehler sieht aus, als laege es am Proxy.

Der sichere Standard bleibt 127.0.0.1. Er wird nur nicht mehr als
"schon erledigt" praesentiert, sondern als Entscheidung mit drei
benannten Faellen: Proxy daneben, Proxy woanders mit privatem Netz,
Proxy woanders ohne. Beim dritten Fall steht die Firewallregel dabei.

Die Installationsanleitung nennt APP_BIND jetzt schon in Schritt 3, wo
die .env ausgefuellt wird - nicht erst in Schritt 7, wo der Proxy
drankommt. Wer der Anleitung von oben nach unten folgt, stolpert sonst
erst vier Schritte spaeter darueber.

Dazu ein eigener Abschnitt in der Fehlersuche mit den zwei curl-Proben,
die den Unterschied zwischen falscher Bindeadresse und Firewall zeigen -
und dem Hinweis, dass dafuer kein Neubau noetig ist.

Am Programm aendert sich nichts.

Etappe: 8
Phase: Haertung
2026-08-22 14:22:38 +02:00

30 KiB

Installation Schritt für Schritt

Von einem vorbereiteten Server bis zur laufenden Anwendung. Rechne mit 30 bis 45 Minuten, wenn du es zum ersten Mal machst.

Diese Anleitung setzt einen Server voraus, auf dem Docker bereits läuft, und einen Reverse Proxy, der schon steht — auch dann, wenn er auf einem anderen Server liegt. Sie richtet nur das Betreuungs-Cockpit ein: kein Docker, keine Betriebssystemhärtung, kein Proxy von Grund auf.

Was genau auf dem Proxy hinterlegt werden muss, steht vollständig in Schritt 7.

Nach jedem Schritt steht eine Kontrolle. Geh nicht weiter, bevor die durchgeht — dann weißt du im Fehlerfall genau, wo es hakt.

Wenn du die Anwendung nur ausprobieren willst, ohne Server: Der Abschnitt Schnellstart in der README bringt dich in zehn Minuten auf dem eigenen Rechner zum Laufen.


Inhalt


Schritt 0 — Voraussetzungen prüfen

Was der Server mitbringen muss

Minimum Bequem
Arbeitsspeicher 2 GB frei 4 GB frei
Speicherplatz 20 GB frei 40 GB frei
Docker 24 oder neuer aktuell
Docker Compose v2 (docker compose, nicht docker-compose) aktuell
Reverse Proxy vorhanden, mit TLS (auch auf einem anderen Server) dasselbe
Netzweg zum Proxy privates Netz, WireGuard oder Firewallregel privates Netz
Standort Deutschland oder mindestens EU dasselbe

Der erste Bau lädt Tesseract mit den deutschen Sprachdaten — plan etwa 1 GB Netzverkehr und fünf bis zehn Minuten ein.

Kontrolle

Melde dich per SSH auf dem Server an und prüf:

docker --version              # 24.x oder neuer
docker compose version        # v2.x - mit Leerzeichen, nicht docker-compose
docker run --rm hello-world   # "Hello from Docker!"
df -h /                       # genug Platz?
free -h                       # genug Speicher?

Kommt bei docker run ein permission denied, fehlt dir die Docker-Gruppe:

sudo usermod -aG docker $USER

Danach abmelden und neu anmelden, sonst greift es nicht.

Zeitzone

Die Behälter setzen Europe/Berlin selbst — der Host muss also nicht umgestellt sein. Für die Logs und den cron-Eintrag aus Schritt 10 ist es trotzdem angenehm:

timedatectl | grep "Time zone"
# nicht Europe/Berlin? dann:
sudo timedatectl set-timezone Europe/Berlin

Domain

Du brauchst eine Adresse, unter der die Anwendung erreichbar sein soll, zum Beispiel cockpit.deine-domain.de.

Der A-Record zeigt auf den Proxy-Server, nicht auf diesen hier — der Proxy nimmt die Anfragen entgegen und reicht sie weiter. Setz ihn jetzt, DNS-Änderungen brauchen manchmal eine Stunde.

dig +short cockpit.deine-domain.de    # muss die IP des PROXY-Servers zeigen

Und das Wichtigste

Kläre den Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO mit deinem Hoster. Bei Hetzner im Kundenkonto unter Verträge → AV-Vertrag, bei anderen ähnlich. Ohne ihn ist der Betrieb formal rechtswidrig — und es dauert fünf Minuten.

Dasselbe gilt für den Objektspeicher, falls du einen externen benutzt statt des mitgelieferten MinIO.

Halt außerdem etwas bereit, um Schlüssel zu notieren. Ein Passwortmanager ist das Richtige — du erzeugst gleich Werte, die du nicht verlieren darfst.


Schritt 1 — Anwendung holen

sudo mkdir -p /opt/betreuungs-cockpit
sudo chown $USER:$USER /opt/betreuungs-cockpit

git clone https://git.wilde-server.de/florian.wilde/betreuungs-cockpit.git \
  /opt/betreuungs-cockpit

cd /opt/betreuungs-cockpit

# Auf die letzte veröffentlichte Fassung wechseln,
# nicht auf den laufenden Entwicklungsstand
git checkout v1.0.0

Kontrolle

ls docker-compose.yml Dockerfile .env.example   # alle drei da
git describe --tags                              # v1.0.0

Schritt 2 — Schlüssel erzeugen

Die Anwendung braucht sieben Geheimnisse. Erzeuge sie auf dem Server, nicht auf dem eigenen Rechner:

docker run --rm node:22-alpine node -e "
const c = require('crypto');
const b = n => c.randomBytes(n).toString('base64');
const w = n => b(n).replace(/[+/=]/g,'x');
console.log('AUTH_SECRET=' + b(32));
console.log('ENC_KEY_V1=' + b(32));
console.log('INDEX_KEY=' + b(32));
console.log('POSTGRES_PASSWORD=' + w(24));
console.log('SICHERUNG_PASSWORT=' + w(24));
console.log('S3_ACCESS_KEY_ID=' + w(12));
console.log('S3_SECRET_ACCESS_KEY=' + w(24));
"

Kopier die Ausgabe in einen Texteditor. Du brauchst sie im nächsten Schritt.

ENC_KEY_V1 ist der wichtigste Wert der ganzen Installation. Mit ihm sind Diagnosen, IBANs, Versicherungsnummern und alle Notizen verschlüsselt. Geht er verloren, sind diese Felder unwiederbringlich weg — auch aus jedem Backup. Es gibt keine Hintertür.

Schritt 11 sagt dir, wohin damit. Verlier ihn bis dahin nicht.


Schritt 3 — Konfiguration ausfüllen

cp .env.example .env
nano .env

Diese Werte musst du setzen:

# --- Datenbank ---
POSTGRES_PASSWORD=<aus Schritt 2>

# --- Anmeldung ---
AUTH_SECRET=<aus Schritt 2>
AUTH_URL=https://cockpit.deine-domain.de      # exakt deine Adresse, mit https
AUTH_TRUST_HOST=true

# --- Verschlüsselung ---
ENC_KEY_V1=<aus Schritt 2>
ENC_KEY_AKTIV=1
INDEX_KEY=<aus Schritt 2>

# --- Objektspeicher ---
S3_ACCESS_KEY_ID=<aus Schritt 2>
S3_SECRET_ACCESS_KEY=<aus Schritt 2>

# --- Sicherung ---
SICHERUNG_PASSWORT=<aus Schritt 2>

# --- Erreichbarkeit ---
# Steht dein Proxy auf einem ANDEREN Server, muss hier die Adresse hinein,
# ueber die er diesen Server erreicht. Bleibt es bei 127.0.0.1, kommt er
# NICHT heran - und der Fehler sieht aus, als sei der Proxy schuld.
# Welcher Wert der richtige ist, steht in Schritt 7a.
APP_BIND=127.0.0.1
APP_PORT=3000

AUTH_URL muss exakt der Adresse entsprechen, unter der du die Anwendung später aufrufst — mit https://, ohne Schrägstrich am Ende. Steht dort etwas anderes, wird das Sitzungs-Cookie für die falsche Herkunft gesetzt: Die Anmeldung landet stumm wieder auf dem Formular, ohne Fehlermeldung. Das ist der Fehler, den man am längsten sucht.

Läuft auf dem Server schon etwas auf Port 3000? Dann weich aus:

APP_PORT=3010

Auf welcher Adresse die Anwendung horcht, legst du in Schritt 7 fest — dort steht auch, warum 127.0.0.1 nicht reicht, wenn der Proxy woanders läuft.

Optional, aber empfohlen — Fristerinnerungen per E-Mail:

SMTP_HOST=mail.deine-domain.de
SMTP_PORT=587
SMTP_USER=cockpit@deine-domain.de
SMTP_PASSWORD=<dein Mailpasswort>
SMTP_FROM="Betreuungs-Cockpit <cockpit@deine-domain.de>"

Speichern mit Strg+O, Enter, Strg+X. Dann die Datei absichern — sie enthält alle Schlüssel:

chmod 600 .env

Kontrolle

# Sind alle Pflichtwerte gefüllt? Zeigt nur die Namen, nicht die Werte.
grep -E '^(POSTGRES_PASSWORD|AUTH_SECRET|AUTH_URL|ENC_KEY_V1|INDEX_KEY|S3_ACCESS_KEY_ID|S3_SECRET_ACCESS_KEY|SICHERUNG_PASSWORT)=.+' .env \
  | sed 's/=.*/ = gesetzt/'

Acht Zeilen müssen erscheinen. Fehlt eine, startet die Anwendung nicht — und sagt dir beim Start auch, welche.


Schritt 4 — Starten

cd /opt/betreuungs-cockpit

# Git-Stand mitgeben, damit später sichtbar ist, was läuft
GIT_COMMIT=$(git rev-parse --short HEAD) \
BUILD_ZEIT=$(date -Iseconds) \
docker compose up -d --build

Der erste Bau dauert fünf bis zehn Minuten. Danach geht es schnell.

Kontrolle

docker compose ps

Vier Dienste, alle running, Datenbank und Anwendung healthy:

NAME                            STATUS
betreuungs-cockpit-app-1        Up (healthy)
betreuungs-cockpit-db-1         Up (healthy)
betreuungs-cockpit-minio-1      Up (healthy)
betreuungs-cockpit-sicherung-1  Up
# Antwortet die Anwendung? (Port anpassen, falls du APP_PORT gesetzt hast)
curl -s http://127.0.0.1:3000/api/gesundheit
# {"status":"bereit","version":"1.0.0","commit":"..."}

Kommt hier nichts, sieh in die Logs:

docker compose logs app --tail 50

Schritt 5 — Datenbank vorbereiten

Die Migrationen laufen beim Start automatisch mit. Zwei SQL-Skripte kommen einmalig von Hand dazu — sie richten die Volltextsuche ein und machen das Audit-Log unveränderlich:

docker compose exec app node node_modules/prisma/build/index.js db execute \
  --schema prisma/schema.prisma --file prisma/sql/volltextsuche.sql

docker compose exec app node node_modules/prisma/build/index.js db execute \
  --schema prisma/schema.prisma --file prisma/sql/audit-schutz.sql

Kontrolle

Prüf, dass der Schutz des Audit-Logs wirklich greift. Der folgende Befehl muss mit einem Fehler enden:

docker compose exec db psql -U cockpit betreuungs_cockpit \
  -c "UPDATE audit_log SET entitaet='x';"

Erwartete Ausgabe:

ERROR:  Das Audit-Log ist unveraenderlich. UPDATE auf audit_log ist nicht zulaessig.

Kommt stattdessen UPDATE 0, ist das Skript nicht gelaufen. Führ es erneut aus — beide Skripte sind so gebaut, dass mehrfaches Ausführen nichts kaputtmacht.


Schritt 6 — Dateiablage einrichten

Der Objektspeicher braucht einen Ablagebereich für die Dokumente:

set -a && source .env && set +a

docker compose exec minio mc alias set lokal \
  http://localhost:9000 "$S3_ACCESS_KEY_ID" "$S3_SECRET_ACCESS_KEY"

docker compose exec minio mc mb lokal/betreuungs-cockpit

Kontrolle

docker compose exec minio mc ls lokal
# [...] betreuungs-cockpit/

Externer Objektspeicher statt MinIO? Wenn du einen S3-Dienst in der EU benutzt (z. B. Hetzner Object Storage, Falkenstein), streich den minio-Dienst aus der docker-compose.yml, entfern ihn aus depends_on beim app-Dienst und zeig mit S3_ENDPOINT dorthin. Den Bucket legst du dann beim Anbieter an. Auch dafür brauchst du einen AV-Vertrag.


Schritt 7 — In den Reverse Proxy eintragen

Der Proxy steht auf einem anderen Server. Damit sind zwei Dinge zu tun: die Anwendung für ihn erreichbar machen, und ihn richtig konfigurieren.

7a — Erreichbar machen, aber nur für den Proxy

Standardmäßig horcht die Anwendung auf 127.0.0.1 — von außen kommt dann niemand heran, auch der Proxy nicht. Das musst du ändern.

Die Anwendung beendet kein TLS. Zwischen Proxy und Anwendung läuft unverschlüsseltes HTTP. Dieser Weg darf niemals durchs offene Netz gehen. Es gibt drei Möglichkeiten, in dieser Reihenfolge:

Erste Wahl: privates Netz. Hetzner, netcup und die meisten anderen bieten ein privates Netz zwischen deinen Servern an. Trag in die .env die Adresse ein, die dieser Server dort hat:

APP_BIND=10.0.0.5      # die private Adresse DIESES Servers
APP_PORT=3000

Zweite Wahl: WireGuard. Gibt es kein privates Netz, bau einen Tunnel zwischen beiden Servern und trag die Tunneladresse ein:

APP_BIND=10.8.0.2

Notlösung: öffentliche Adresse plus Firewall. Nur, wenn beides nicht geht — und dann zwingend mit einer Regel, die ausschließlich die IP des Proxy-Servers durchlässt:

# in der .env
APP_BIND=0.0.0.0

# und auf DIESEM Server, vor dem Neustart:
sudo ufw allow from <IP-des-Proxy-Servers> to any port 3000 proto tcp
sudo ufw deny 3000/tcp

Prüf danach von einem dritten Rechner aus, dass der Port wirklich zu ist. Vergiss die Regel, und deine Anwendung steht unverschlüsselt im Netz.

Nach der Änderung:

docker compose up -d
docker compose ps        # unter PORTS muss die neue Adresse stehen

7b — Was auf dem Proxy-Server hinterlegt wird

Das ist der Teil, den du auf dem anderen Server einträgst. Ersetz 10.0.0.5 durch die Adresse aus 7a.

Vier Varianten, je nachdem was bei dir läuft: Nginx Proxy Manager, Caddy, nginx von Hand oder Traefik.

Nginx Proxy Manager

In der Oberfläche: Hosts → Proxy Hosts → Add Proxy Host.

Reiter „Details"

Feld Wert
Domain Names cockpit.deine-domain.de
Scheme http — nicht https. Die Anwendung beendet kein TLS
Forward Hostname / IP die Adresse aus 7a, z. B. 10.0.0.5
Forward Port 3000 (oder dein APP_PORT)
Cache Assets aus
Block Common Exploits an
Websockets Support an
Access List leer lassen — die Anwendung hat eine eigene Anmeldung mit Pflicht-Zweitfaktor

Zu Cache Assets: Next.js hängt an jede Skript- und Stildatei einen Prüfsummen-Namen, ein Zwischenspeicher bringt hier also nichts. Aus bleibt er, damit nach einem Update niemand rätselt, ob er noch eine alte Fassung sieht.

Reiter „SSL"

Feld Wert
SSL Certificate Request a new SSL Certificate (Let's Encrypt)
Force SSL an
HTTP/2 Support an
HSTS Enabled aus
HSTS Subdomains aus

HSTS Enabled bleibt aus, weil die Anwendung den Kopf Strict-Transport-Security bereits selbst setzt — sonst schickt der Server ihn zweimal.

Reiter „Advanced"

Hier kommt der Teil hinein, den die Oberfläche nicht abbildet. Genau dieser Block:

# Fotos mehrseitiger Bescheide sind schnell 10 MB.
client_max_body_size 30M;

# Belegmappe, Rechnungslegung und Vollexport brauchen länger als die
# üblichen 60 Sekunden. Ohne diese Werte bricht der Download mittendrin ab.
proxy_connect_timeout  30s;
proxy_send_timeout    600s;
proxy_read_timeout    600s;

# Der Vollexport kommt als Strom. Puffert der Proxy, wartet der Browser,
# bis alles im Speicher des Proxys liegt - und läuft dabei in die Zeitgrenze.
proxy_buffering         off;
proxy_request_buffering off;

Dann Save.

Was du NICHT eintragen musst: proxy_set_header für Host, X-Real-IP, X-Forwarded-For und X-Forwarded-Proto. Nginx Proxy Manager setzt diese vier bereits selbst, und zwar im location-Block — ein zweiter Satz im Advanced-Feld läge auf server-Ebene und würde ohnehin überschrieben. Trag sie nicht ein, sonst suchst du später an der falschen Stelle.

Wenn du eine Access List benutzt: Sie sperrt auch /api/wartung aus. Entweder du lässt sie weg, oder du trägst die IP des Servers ein, von dem der cron-Eintrag aus Schritt 10 kommt.

Caddy

cockpit.deine-domain.de {
    encode zstd gzip

    reverse_proxy 10.0.0.5:3000 {
        # Berichte und der Vollexport brauchen Zeit. Ohne diese Werte
        # bricht der Proxy mitten im Erzeugen ab.
        transport http {
            read_timeout  10m
            write_timeout 10m
        }
        # Der Vollexport kommt als Strom - nicht puffern, sonst wartet der
        # Browser, bis alles im Speicher des Proxys liegt.
        flush_interval -1
    }

    # Ein Handyfoto eines mehrseitigen Bescheids ist schnell 10 MB.
    request_body {
        max_size 30MB
    }
}

Caddy setzt Host, X-Forwarded-For und X-Forwarded-Proto von selbst richtig — dafür musst du nichts tun.

nginx

server {
    listen 443 ssl;
    http2 on;
    server_name cockpit.deine-domain.de;

    ssl_certificate     /etc/letsencrypt/live/cockpit.deine-domain.de/fullchain.pem;
    ssl_certificate_key /etc/letsencrypt/live/cockpit.deine-domain.de/privkey.pem;

    # Uploads von Behördenschreiben
    client_max_body_size 30M;

    location / {
        proxy_pass         http://10.0.0.5:3000;
        proxy_http_version 1.1;

        # Ohne diese vier Zeilen funktioniert die Anwendung nicht richtig,
        # siehe Tabelle unter 7c.
        proxy_set_header   Host              $host;
        proxy_set_header   X-Real-IP         $remote_addr;
        proxy_set_header   X-Forwarded-For   $proxy_add_x_forwarded_for;
        proxy_set_header   X-Forwarded-Proto $scheme;

        # PDF-Erzeugung und Vollexport dauern länger als die üblichen 60 s.
        proxy_connect_timeout  30s;
        proxy_send_timeout    600s;
        proxy_read_timeout    600s;

        # Der Vollexport kommt als Strom. Ohne diese beiden Zeilen sammelt
        # nginx erst alles ein, und der Browser sieht minutenlang nichts.
        proxy_buffering         off;
        proxy_request_buffering off;
    }
}

# Alles Unverschlüsselte umleiten
server {
    listen 80;
    server_name cockpit.deine-domain.de;
    return 301 https://$host$request_uri;
}

Aktivieren:

sudo ln -s /etc/nginx/sites-available/cockpit /etc/nginx/sites-enabled/
sudo certbot --nginx -d cockpit.deine-domain.de
sudo nginx -t && sudo systemctl reload nginx

Traefik

Weil die Anwendung auf einem anderen Server läuft, geht es nicht über Docker-Labels, sondern über eine dynamische Konfigurationsdatei:

http:
  routers:
    cockpit:
      rule: "Host(`cockpit.deine-domain.de`)"
      service: cockpit
      entryPoints: [websecure]
      tls:
        certResolver: letsencrypt

  services:
    cockpit:
      loadBalancer:
        servers:
          - url: "http://10.0.0.5:3000"
        # Vollexport als Strom ausliefern, nicht sammeln
        responseForwarding:
          flushInterval: -1

Dazu in der statischen Konfiguration großzügige Zeitgrenzen:

entryPoints:
  websecure:
    address: ":443"
    transport:
      respondingTimeouts:
        readTimeout:  600s
        writeTimeout: 600s
        idleTimeout:  180s

7c — Was der Proxy leisten muss, und warum

Anforderung Was ohne sie passiert
TLS beenden Der Browser lehnt Cookies mit Secure-Kennzeichen ab — die Anmeldung schlägt stumm fehl
Host durchreichen Auth.js vergleicht den Host mit AUTH_URL und weist die Anmeldung ab
X-Forwarded-Proto: https Die Anwendung baut Adressen mit http und setzt Cookies ohne Secure
X-Forwarded-For Die Login-Sperre zählt alle Zugriffe als denselben Anschluss: Fünf Fehlversuche irgendwo sperren alle. Im Audit-Log fehlt die Herkunft
Mindestens 30 MB Uploads Fotos mehrseitiger Bescheide werden abgeschnitten
Zeitgrenze 10 Minuten Belegmappe, Rechnungslegung und Vollexport brechen mitten im Erzeugen ab
Antwort nicht puffern Der Vollexport kommt als Strom. Puffert der Proxy, wartet der Browser, bis alles im Speicher des Proxys liegt — bei großen Beständen läuft er dabei in die Zeitgrenze

Keine eigenen Sicherheitskopfzeilen setzen. CSP, X-Frame-Options, nosniff und HSTS kommen aus der Anwendung. Besonders die CSP darf der Proxy nicht überschreiben: Sie enthält eine Nonce, die pro Anfrage neu ist. Eine feste CSP aus dem Proxy blockiert die eigenen Skripte — die Seite lädt dann zwar, lässt sich aber nicht bedienen.

Kontrolle

Erst vom Proxy-Server aus — kommt er überhaupt an?

curl -s http://10.0.0.5:3000/api/gesundheit
# {"status":"bereit","version":"1.0.0",...}

Kommt hier nichts, liegt es an 7a: falsche APP_BIND, Firewall, oder der Behälter wurde nach der Änderung nicht neu gestartet.

Dann von deinem eigenen Rechner aus:

curl -sI https://cockpit.deine-domain.de/anmelden | head -8

Erwartet: HTTP/2 200 und die Kopfzeilen content-security-policy, x-frame-options: DENY, x-content-type-options: nosniff, strict-transport-security.

Und die Gegenprobe — der Port darf von außen nicht offen sein:

curl -s --max-time 5 http://<oeffentliche-IP-des-App-Servers>:3000/api/gesundheit
# muss in eine Zeitüberschreitung laufen oder abgewiesen werden

Antwortet er, ist deine Firewallregel falsch. Das ist kein Schönheitsfehler: Über diesen Weg käme man unverschlüsselt an Gesundheitsdaten.

Schritt 8 — Ersteinrichtung im Browser

Ruf https://cockpit.deine-domain.de auf. Ein Assistent führt dich durch drei Schritte: Zugang anlegen, zweiten Faktor einrichten, betreute Person erfassen.

Die Einzelheiten stehen in der Bedienungsanleitung, Abschnitt Der erste Tag. Drei Dinge sind hier wichtig:

  1. Die Seite /ersteinrichtung sperrt sich selbst, sobald ein Zugang existiert. Niemand kann sich danach von außen einen zweiten Administrator anlegen.
  2. Die Wiederherstellungscodes werden genau einmal angezeigt. Druck sie aus, bevor du weiterklickst.
  3. Das Bestellungsdatum muss stimmen — daraus entstehen alle gesetzlichen Fristen.

Zum Schluss: Fristen → Pflichtfristen ableiten.

Kontrolle

  • Du kommst mit E-Mail, Passwort und dem Code aus der App herein.
  • Unter Fristen stehen Einträge mit Paragraphenbezug.
  • Unter Protokoll siehst du deine eigene Anmeldung.
  • Unten links in der Seitenleiste steht Version 1.0.0 · <commit>.

Schritt 9 — Sicherung prüfen

Die tägliche Sicherung läuft ab jetzt um 03:15 Uhr. Warte nicht bis morgen — stoß sie einmal von Hand an:

cd /opt/betreuungs-cockpit
docker compose exec sicherung /bin/sh /sicherung.sh

Erwartete Ausgabe, in dieser Reihenfolge:

Sicherung beginnt: /backups/cockpit_2026-08-22_1430.dump.enc
Sicherung fertig (1.2M)
Selbstpruefung bestanden.

Die Selbstprüfung ist der eigentliche Punkt: Das Skript entschlüsselt die eben geschriebene Datei sofort wieder. Schlägt das fehl, endet der Lauf mit einem Fehler statt mit einem stillen Scheinerfolg.

Und jetzt einmal zurückspielen

Ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist kein Backup. Probier es gleich aus, solange nichts drinsteht, was weh tut:

# Testdatenbank neben der echten anlegen
docker compose exec db createdb -U cockpit probe

# Zurückspielen (Dateinamen anpassen)
docker compose exec -e PGDATABASE=probe -e SICHERUNG_OHNE_RUECKFRAGE=ja \
  sicherung /bin/sh /wiederherstellung.sh /backups/cockpit_<datum>.dump.enc

# Stichprobe
docker compose exec db psql -U cockpit probe \
  -c "SELECT vorname, nachname FROM betreute;"

# Aufräumen
docker compose exec db dropdb -U cockpit probe

Kontrolle

ls -lh backups/
# cockpit_....dump.enc  und  cockpit_....dump.enc.sha256

Was das Backup nicht enthält: den Schlüssel ENC_KEY_V1 und die Dateien im Objektspeicher. Für die Dateien:

docker compose exec minio mc mirror lokal/betreuungs-cockpit /backups/dokumente

Und kopier die Sicherungen regelmäßig weg vom Server — ein Backup, das neben dem Original liegt, hilft bei einem Serverausfall nicht.


Schritt 10 — Wartungslauf einrichten

Einmal täglich: Fristerinnerungen verschicken, Papierkorb leeren, alte Anmeldeversuche entfernen.

# Schlüssel für den Endpunkt ausrechnen
docker compose exec app node -e "
console.log(require('crypto').createHmac('sha256', process.env.AUTH_SECRET)
  .update('wartung').digest('base64url'))
"

Den ausgegebenen Wert in einen cron-Eintrag:

crontab -e

Diese Zeile ans Ende:

30 4 * * * curl -fsS -H "X-Wartung-Schluessel: <ausgegebener Wert>" https://cockpit.deine-domain.de/api/wartung > /dev/null

Kontrolle

curl -s -H "X-Wartung-Schluessel: <wert>" \
  https://cockpit.deine-domain.de/api/wartung
# {"erinnerungen":0,"papierkorbGeleert":0,...,"fehler":[]}

Ohne gültigen Schlüssel antwortet die Route mit 404, nicht mit 401 — wer die Adresse errät, soll nicht einmal erfahren, dass es sie gibt.


Schritt 11 — Schlüssel in Sicherheit bringen

Der letzte Schritt, und der wichtigste.

ENC_KEY_V1 gehört an zwei Orte, keiner davon ist dieser Server:

  1. In deinen Passwortmanager.
  2. Ausgedruckt zu deinen Betreuungsunterlagen, im Ordner beim Betreuerausweis.

Dasselbe gilt für SICHERUNG_PASSWORT — ohne das nützt dir die verschlüsselte Sicherungsdatei nichts.

# Zum Abschreiben oder Kopieren
grep -E '^(ENC_KEY_V1|SICHERUNG_PASSWORT)=' .env

Warum so umständlich? Weil der Schlüssel bewusst nicht in der Datenbank liegt. Ein gestohlenes Backup ist damit wertlos — und ein verlorener Schlüssel macht auch dein eigenes Backup wertlos. Beides ist dieselbe Eigenschaft, von zwei Seiten betrachtet.

Denk an die letzten Pflichten:


Aktualisieren

cd /opt/betreuungs-cockpit

# 1. IMMER zuerst sichern - eine Migration lässt sich nicht zurückrollen
docker compose exec sicherung /bin/sh /sicherung.sh

# 2. Was ändert sich? Lies den Changelog, bevor du ziehst
git fetch --tags
git log --oneline HEAD..origin/main

# 3. Auf die neue Fassung wechseln
git checkout v1.1.0

# 4. Neu bauen und starten
GIT_COMMIT=$(git rev-parse --short HEAD) \
BUILD_ZEIT=$(date -Iseconds) \
docker compose up -d --build

Die Migrationen laufen beim Start mit. Sagt der Changelog, dass sich ein SQL-Skript geändert hat, führ die beiden Befehle aus Schritt 5 erneut aus.

Kontrolle

curl -s https://cockpit.deine-domain.de/api/gesundheit
# version muss die neue sein

Steht dort noch die alte Version, läuft der alte Behälter weiter — dann hat der Bau nicht durchgezogen. Sieh in docker compose logs app.


Wenn etwas nicht klappt

Ein Dienst startet nicht

docker compose ps
docker compose logs app --tail 100
docker compose logs db --tail 50

Fehlt eine Umgebungsvariable, sagt die Anwendung beim Start, welche.

„Umgebungsvariable ENC_KEY_V1 fehlt"

Die .env liegt nicht neben der docker-compose.yml, oder die Zeile ist leer. Prüf mit dem Befehl aus Schritt 3.

Der Proxy erreicht die Anwendung nicht („502", „Connection refused")

Fast immer steht in der .env noch APP_BIND=127.0.0.1, während der Proxy auf einem anderen Server läuft. Dann horcht die Anwendung nur auf der Loopback-Adresse — erreichbar ausschließlich vom Anwendungsserver selbst.

Prüf, worauf sie tatsächlich horcht:

docker compose ps
# unter PORTS muss die Adresse stehen, die der Proxy erreicht,
# NICHT 127.0.0.1

Und ob sie überhaupt antwortet — erst lokal, dann vom Proxy-Server aus:

# auf dem Anwendungsserver
curl -s http://127.0.0.1:3000/api/gesundheit

# auf dem Proxy-Server
curl -s http://<APP_BIND-Adresse>:3000/api/gesundheit

Antwortet der erste, aber nicht der zweite, ist APP_BIND falsch oder eine Firewall dazwischen. Setz den richtigen Wert (Schritt 7a) und

docker compose up -d

Ein Neubau des Abbilds ist dafür nicht nötig — es ist nur eine Umgebungsänderung, der Behälter wird neu erzeugt.

Port 3000 ist schon belegt

sudo ss -tlnp | grep 3000

Setz APP_PORT=3010 in der .env, dann docker compose up -d, und zeig mit dem Proxy auf den neuen Port.

Die Anmeldung landet wieder auf dem Formular, ohne Fehlermeldung

AUTH_URL stimmt nicht mit der aufgerufenen Adresse überein. Häufig: http statt https, oder ein Schrägstrich am Ende. Nach dem Ändern:

docker compose up -d

„Zu viele Fehlversuche"

Nach fünf Fehlversuchen wird für eine Viertelstunde gesperrt — auch dich. Warte ab, oder setz die Zähler zurück:

docker compose exec db psql -U cockpit betreuungs_cockpit \
  -c "DELETE FROM login_versuch WHERE erfolg = false;"

Der Code aus der App wird nicht angenommen

Die Uhr des Telefons geht falsch. TOTP-Codes hängen an der Uhrzeit. Stell die automatische Zeitsynchronisierung ein und prüf, dass auch der Server richtig geht:

timedatectl
docker compose exec app date

Die Texterkennung findet nichts

docker compose exec app tesseract --list-langs
# deu muss dabei sein

Fehlt sie, ist das Abbild nicht vollständig gebaut: docker compose build --no-cache app.

Uploads schlagen bei großen Dateien fehl

Der Proxy schneidet ab. Bei Caddy request_body max_size, bei nginx client_max_body_size — beide auf mindestens 30 MB.

Die Seite lädt, aber ohne Gestaltung, und nichts lässt sich anklicken

Dein Proxy überschreibt die Content-Security-Policy der Anwendung. Sie enthält eine Nonce, die pro Anfrage neu ist — eine feste CSP aus dem Proxy blockiert dann die eigenen Skripte. Nimm die Kopfzeile aus dem Proxy heraus.

Der Speicherplatz wird knapp

df -h
docker system prune -a           # entfernt ungenutzte Abbilder

Ohne --volumes, sonst löschst du die Datenbank.

Ganz von vorn

docker compose down -v      # ACHTUNG: löscht ALLE Daten
docker compose up -d --build

Das -v entfernt die Datenbank. Nur, wenn du das wirklich willst.


Abnahmeliste

Hak das durch, bevor du echte Daten einträgst:

  • AV-Vertrag mit dem Hoster abgeschlossen
  • AV-Vertrag für den Objektspeicher abgeschlossen (falls extern)
  • Server steht in Deutschland oder mindestens in der EU
  • .env hat Rechte 600
  • Alle vier Dienste laufen, Datenbank und Anwendung healthy
  • /api/gesundheit antwortet mit der erwarteten Version
  • Audit-Schutz greift — UPDATE audit_log endet mit Fehler
  • Bucket im Objektspeicher angelegt
  • https:// funktioniert, Zertifikat gültig
  • Sicherheitskopfzeilen kommen durch den Proxy an
  • Der Anwendungsport ist von außen nicht erreichbar (Gegenprobe aus Schritt 7)
  • Der Weg Proxy → Anwendung läuft über ein privates Netz oder einen Tunnel
  • Zweiter Faktor eingerichtet
  • Wiederherstellungscodes ausgedruckt und weggelegt
  • Bestellungsdatum eingetragen, Pflichtfristen abgeleitet
  • Sicherung von Hand angestoßen, Selbstprüfung bestanden
  • Sicherung einmal zurückgespielt und geprüft
  • Sicherungen werden vom Server weg kopiert
  • Wartungslauf im cron eingetragen und einmal getestet
  • ENC_KEY_V1 im Passwortmanager und ausgedruckt
  • SICHERUNG_PASSWORT ebenso
  • Verarbeitungsverzeichnis ausgefüllt
  • Datenschutzhinweise ausgefüllt und ausgehändigt

Ist alles abgehakt, kannst du anfangen. Die Bedienungsanleitung sagt dir, wie.