Bremsen, Sperren und CSP: die offenen Punkte schliessen

S3: Aus der Kontosperre wird eine Wartezeit. Die alte Sperre wies auch das
richtige Passwort ab — wer die Adresse eines Administrators kannte, konnte
ihn alle 15 Minuten neu aussperren. Jetzt bleiben vier Fehlversuche
folgenlos, danach verdoppelt sich die Wartezeit bis zu einer Minute. Der
Besitzer kommt spaetestens nach einer Minute hinein, ein Fremder bekommt
einen Versuch pro Minute. Ausgewertet wird sie vor der Passwortpruefung,
damit ein ohnehin abgewiesener Versuch keine 128 MiB kostet.

S4: Drei Stufen statt einer. Die Bremse je Absender liest
X-Forwarded-For nur noch mit TRUST_PROXY=true — ohne Proxy waehlt den Wert
jeder Aufrufer selbst, und eine so umgehbare Bremse ist eine Behauptung.
Dazu die Wartezeit je Konto, die an der Datenbank haengt, und eine
Obergrenze fuer die ganze Installation: 60 Passwortpruefungen und 120
Rueckmeldungen je Minute. Die letzte Stufe ist die einzige, die sich nicht
ueber Kopfzeilen umgehen laesst, und sie schuetzt den Speicher.

CSP: Eine vollstaendige Policy mit Nonce je Anfrage, strict-dynamic,
default-src self, object-src none, base-uri und form-action self. Skripte
ohne den Nonce dieser Anfrage laufen nicht mehr. Zwei Lockerungen bleiben
und stehen begruendet in der Doku: style-src erlaubt unsafe-inline, weil
ein Nonce keine style-Attribute deckt, und media-src erlaubt https, weil
der Typ Video ausdruecklich Direktlinks annimmt.

Protokoll: Sicherheitsereignisse als JSON auf die Standardausgabe —
Fehlversuche, OIDC-Verknuepfungen samt abgelehnten, Vergabe von
Administratorrechten. Ohne Passwoerter, Token und Adressen.

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Florian Wilde
2026-08-24 01:43:00 +02:00
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commit 367d9c540b
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+107 -27
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@@ -231,6 +231,105 @@ gesetztes `X-Forwarded-Host` macht die Anfrage zu einer, die erst einen
CORS-Vorabflug bestehen müsste, den die Anwendung nicht beantwortet. Das
verbleibende Unbehagen ist das Vertrauensmodell insgesamt; dazu unten mehr.
### 15. Die Kontosperre konnte den Besitzer aussperren
**Befund:** Acht Fehlversuche sperrten ein Konto für 15 Minuten — auch gegen
das **richtige** Passwort. Wer die Adresse eines Administrators kannte,
konnte die Sperre alle 15 Minuten erneuern und die Verwaltung praktisch
dauerhaft schließen. Ein Nachweis, dass der Anfragende der Kontoinhaber ist,
war dafür nicht nötig.
**Behoben:** Aus der Sperre wurde eine **Wartezeit**. Die ersten vier
Fehlversuche bleiben folgenlos, danach verdoppelt sie sich bis zu einer
Minute:
| Fehlversuche | Wartezeit |
| --- | --- |
| bis 4 | keine |
| 5 | 1 s |
| 7 | 4 s |
| 10 | 32 s |
| ab 11 | 60 s |
Für den Besitzer heißt das im schlimmsten Fall eine Minute statt einer
Viertelstunde Aussperrung. Für jemanden, der Passwörter durchprobiert, einen
Versuch pro Minute — das ist die eigentliche Aufgabe der Bremse, und die
erfüllt sie weiterhin.
Die Wartezeit wird **vor** der Passwortprüfung ausgewertet. Ein Versuch, der
ohnehin abgewiesen wird, kostet damit keine 128 MiB.
### 16. Die Bremsen ließen sich über eine Kopfzeile umgehen
**Befund:** Der Absender wurde aus `X-Forwarded-For` gelesen. Ohne
vorgeschalteten Proxy — und die mitgelieferte Compose-Konfiguration
veröffentlicht den Port direkt — wählt ihn jeder Aufrufer selbst und umgeht
damit Login- wie Feedback-Bremse.
**Behoben:** Drei Stufen statt einer, in `src/lib/auth/throttle.ts`:
1. **Je Absender** — nur noch, wenn `TRUST_PROXY=true` gesetzt ist. Ohne
diese Angabe wird die Kopfzeile gar nicht gelesen. Eine Bremse, die sich
mit einem selbst gewählten Wert umgehen lässt, ist keine; dann lieber
ehrlich keine.
2. **Je Konto** — die Wartezeit aus Punkt 15. Sie hängt an der Kennung des
Kontos, nicht an einer Kopfzeile, und ist deshalb nicht zu umgehen.
3. **Für die ganze Installation** — eine Obergrenze von 60 Passwortprüfungen
je Minute, und 120 Rückmeldungen je Minute. Das ist die Stufe, die den
Speicher schützt: Ohne sie könnte jemand mit genügend gleichzeitigen
Anfragen den Server allein über die Hash-Berechnung lahmlegen.
Was bleibt: Die Zähler liegen im Arbeitsspeicher eines Prozesses. Bei
mehreren Instanzen bräuchte es einen gemeinsamen Zähler — siehe „Offen“.
### 17. Skripte liefen ohne Content-Security-Policy
**Befund:** Die Policy bestand aus `frame-ancestors 'none'`. Gegen
eingeschleusten Skriptcode wirkte sie nicht.
**Behoben:** Eine vollständige Policy mit **Nonce je Anfrage**. Skripte
laufen nur, wenn sie den Nonce dieser einen Anfrage tragen oder von einem
Skript geladen wurden, das selbst einen hatte (`strict-dynamic`). Ein
Skript, das über eine Lücke in die Seite gerät, hat keinen — und läuft
nicht.
Dazu `default-src 'self'`, `object-src 'none'`, `base-uri 'self'`,
`form-action 'self'`. `frame-src` nennt ausschließlich die beiden
Video-Anbieter, die der Typ „Video“ einbetten kann.
**Zwei bewusste Lockerungen**, damit sie nicht als Versehen gelesen werden:
- `style-src` erlaubt weiterhin `'unsafe-inline'`. Ein Nonce wirkt nur auf
`<style>`-Blöcke, nicht auf `style="…"` an einzelnen Elementen; die
Oberfläche benutzt solche Attribute an rund einem Dutzend Stellen. Über
ein Stilattribut lässt sich kein Code ausführen, der Gewinn wäre gering.
- `media-src` erlaubt jede `https:`-Quelle. Der Typ „Video“ nimmt
ausdrücklich auch einen Direktlink auf eine Videodatei entgegen, und wo
die liegt, weiß nur der, der ihn einträgt.
`upgrade-insecure-requests` steht nur, wenn `BASE_URL` auf `https` zeigt —
auf einer bewusst über HTTP betriebenen Installation würde die Regel die
eigenen Ressourcen hochstufen und alles zerlegen.
### 18. Sicherheitsereignisse standen nirgends
**Befund:** Fehlversuche, OIDC-Verknüpfungen und die Vergabe von
Administratorrechten hinterließen keine Spur.
**Behoben:** `src/lib/auth/protokoll.ts` schreibt je Ereignis eine Zeile als
JSON auf die Standardausgabe — damit landet sie in `docker compose logs` und
lässt sich von dort weiterreichen, ohne dass die Anwendung ein Werkzeug
dafür kennen muss.
Protokolliert werden: fehlgeschlagene Anmeldungen samt Zahl der Versuche und
Wartezeit, abgelehnte OIDC-Verknüpfungen mit Grund, erfolgte Verknüpfungen
und jede Vergabe von Administratorrechten.
**Was ausdrücklich nicht hineingehört:** Passwörter, Sitzungstoken und
vollständige E-Mail-Adressen. Konten stehen mit ihrer Id da. Ein Protokoll
wird kopiert und verschickt und ist selten so gut geschützt wie die
Datenbank.
---
## Was schon vorher stimmte
@@ -286,34 +385,15 @@ selbst ausgestellt, falscher Name — statt bloß daran zu scheitern.
Bewusst nicht umgesetzt, mit Begründung.
**Die Kontosperre kann den Besitzer aussperren.** Acht falsche Passwörter
sperren ein Konto für 15 Minuten, ohne dass der Anfragende belegen muss, wer
er ist. Wer die Adresse des Administrators kennt, kann die Sperre alle 15
Minuten erneuern und die Verwaltung praktisch dauerhaft blockieren.
**Die Zähler gelten je Prozess.** Bremsen und Wartezeiten liegen im
Arbeitsspeicher und sind nach einem Neustart weg. Bei **einer** Instanz — dem
Regelfall dieser Anwendung — ist das verschmerzbar: Die Wartezeit je Konto
steht in der Datenbank und übersteht den Neustart, nur die Zähler je Absender
und die Obergrenze der Instanz beginnen von vorn.
Der naheliegende Ausweg — auch während der Sperre das Passwort prüfen und ein
richtiges durchlassen — wurde geprüft und **verworfen**: Eine Prüfung kostet
hier rund **128 MiB Arbeitsspeicher** (scrypt mit N = 2¹⁷). Wer sie beliebig
oft auslösen darf, legt damit den Server lahm. Die Sperre gegen ein Konto
einzutauschen wäre also eine Sperre gegen alle.
Was es stattdessen braucht, ist ein eigener Entwurf: eine ansteigende
Verzögerung, die keinen Speicher hält, oder eine billige Vorprüfung vor dem
teuren Hash — zusammen mit dem nächsten Punkt zu entscheiden.
**Die Bremsen lassen sich über `X-Forwarded-For` umgehen.** Der Absender wird
aus diesem Header gelesen. Steht kein Proxy davor — und die mitgelieferte
Compose-Konfiguration veröffentlicht den Port direkt —, wählt ihn jeder
Aufrufer selbst und umgeht damit Login-Bremse und Feedback-Bremse. Die Zähler
liegen zudem im Arbeitsspeicher eines Prozesses und sind nach einem Neustart
weg.
Die Anwendung läuft in Next.js-Routen und kommt an die Adresse der
Gegenstelle gar nicht heran — „im Zweifel die Socket-Adresse nehmen“ ist hier
also keine Möglichkeit. Nötig ist eine ausdrückliche Einstellung, welchem
Proxy zu trauen ist, und ein gemeinsamer Zähler, wenn mehr als eine Instanz
läuft. Beides gehört mit dem Punkt davor in einen Entwurf und nicht in eine
schnelle Änderung.
Wer mehrere Instanzen hinter einem Lastverteiler betreibt, braucht einen
gemeinsamen, atomaren Zähler — üblicherweise Redis. Das ist ein weiterer
Dienst und lohnt sich erst, wenn es die zweite Instanz wirklich gibt.
**Prisma hängt an einer Advisory.** `npm audit --omit=dev` meldet
[GHSA-ggr8-5vv4-36mx](https://github.com/advisories/GHSA-ggr8-5vv4-36mx) in